PROF. DR. PETER RAUE
Notar, Rechtsanwalt und langjähriger Vorsitzender des "Vereins der Freunde der Nationalgalerie"
"Der Witness Berlin e.V geht einen Weg, jungen Menschen zu helfen, ihre kreativen Kräfte sinnvoll, effektiv und zukunftssichernd einzusetzen.
Diesem Weg kann man nur "freie Fahrt", Erfolg und Zustimmung wünschen. Die Schaffens- und Schöpferkraft ungezählter, unbekannter Jugendlicher gerade in Berlin ist das vielleicht größte Kapital, das diese Stadt hat. Der Schatz muss gehoben, gepflegt, gefördert werden.”

PROJEKTE "STREET EMBASSY"
Street Embassy 2011: Ein Rückblick
09.11.2011 | Am 04. Oktober 2011 war es endlich soweit. Nach einer langen Organisationsphase und zahlreichen Vorbereitungstreffen startete die Gruppe zum ersten deutsch-französischen Hiphop-Austausch nach Paris. Die Gruppe von zehn Jugendlichen und fünf Betreuern erwartete ein Programm voller Workshops, Diskussionen, Konzerten, Touren durch Paris und neuer Erfahrungen.
Mittwoch, 5.Oktober 2011
Das volle Programm am ersten Tag ließ eine allmähliche Annäherung gar nicht erst zu. Nach dem obligatorischen Zwischenstopp am Eiffelturm, fuhr die Gruppe in die südliche Banlieue Villejuif, um eine Open Mic Cypher mit der Szene-Größe Zoxea von der Gruppe „Sages Poetes de la rue“ wahrzunehmen. Im direkten Anschluss ging es ans andere Ende der Stadt, in das Viertel Belleville, wo in den Räumlichkeiten des Pariser Partners „Maison du Hiphop“ ein Workshop unter der Leitung von dem langjährigen MC Matt Moerdock stattfand. In beiden Locations traf die Gruppe neben den Stars auch mit vielen jugendlichen Rappern zusammen und knüpfte sofort Kontakte. Sprachbarrieren wurden mit Händen und Füßen und dem teilweise vorhandenen Basis-Englisch überwunden. So entstand schon zu Anfang des Projektes das Gefühl einer durch die Subkultur verbundenen Gemeinschaft auf beiden Seite der Grenze.
Donnerstag, 6.Oktober 2011
Am darauf folgenden Tag fand ein Treffen mit Straßensozialarbeitern und jugendlichen MCs in der nördlichen Banlieue Colombes statt. Die Jugendlichen diskutierten über Hip-Hop, soziale Missstände in Deutschland und Frankreich, Rassismus und ihre persönlichen Geschichten. Die Sozialarbeiter erläuterten ihre Arbeit und erklärten die Wichtigkeit von Hip-Hop als Werkzeug ihrer Arbeit. Im Anschluss fand noch eine Session statt, in der sich deutsche und französische Rapper abwechselten.
Freitag, 7.Oktober 2011
Der Freitag war voll und ganz dem Graffiti gewidmet. Die Gruppe fuhr in den Vorort Nanterre, wo sie auf die Graffiti-Legende Darco traf, der schon 1984 mit der FBI-Crew die womöglich erste Graffiti-Crew Frankreichs ins Leben rief. Hier, an einer legendären Hall of Fame, fand der nächste Workshop statt, der über die Graffiti-Geschichte Frankreichs und die Probleme mit Polizei und Justiz aufklärte. Darco nahm sich Zeit für Fragen und Diskussionen, bevor es weiter zur zweiten Hall of Fame nach Nation ging. Graffiti-Künstler Siko führte uns um den komplett besprayten Straßenblock, auf dem sich bereits viele Writer-Größen verewigt haben und erklärte die Geschichte und Entwicklung der Wall. Am Abend besichtigte die Gruppe Montmartre und das Sacre Coeur, wo sich spontan eine Freestyle-Session mit Blick über Paris entwickelte. Selbst auf dem Weg zurück wurde in der Metro mit einem Straßenmusiker zusammen gerappt.
Samstag, 8.Oktober 2011
Am Samstag besuchte die Gruppe die berühmte Rue St. Denis, in der sich ein Hip-Hop-Geschäft an das andere reiht und ging anschließend in den Laden von Anjuna, die Metall-Schmuck im Graffiti-Design anfertigt und schmiedet. Danach ging es zum Hip-Hop Festival „X Bar Connexion“, das vom Maison du Hiphop veranstaltet wurde. Vor Ort gab es ein beeindruckendes Breakdance-Battle mit internationalen B-Boys und B-Girls.
Sonntag, 9.Oktober 2011
Sonntag wurde das Festival mit Screenings von Hip-Hop-Filmen fortgesetzt, auf die ein Konzert von zahlreichen Rap-Crews aus Frankreich folgte, das bis in die Nacht lief. Auch die Berliner Gruppe trat auf und präsentierte ihre Skills. Auch hier entstanden Kontakte zwischen der Berlinern und der Pariser Hip-Hop-Szene, wie beispielsweise zu dem langjährigen Beatboxer der Zulu Nation „Rico X“.
Montag, 10.Oktober 2011
Montag gab es endlich die Chance, den bekannten Flohmarkt an der Porte de Clignancourt zu besuchen, der sich auf Hip-Hop spezialisiert und wo viele MCs ihre Mixtapes an den Mann bringen. Der Nachmittag war für das Texte schreiben reserviert, da am Abend, als krönender Abschluss, ein Recording in einem Tonstudio anstand. MC Medoc brachte uns in Bastille in ein Keller-Studio, wo noch einmals Franzosen und Deutsche ein Mikrophon teilten und das Projekt zu einem musikalischen Abschluss brachten.
Die Gruppe war über die Zeit hinweg erstaunlich harmonisch und die Jugendlichen haben sich untereinander gut ergänzt. Auch das Ziel, Jugendliche aus verschiedenen Vierteln innerhalb Berlins sich begegnen und kennenlernen zu lassen, war erfolgreich. Insbesondere die Gespräche, die auf der Reise nebenbei stattfanden, haben einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Hier wurden die Eindrücke von Paris und Berlin, sowie die eigenen Lebensumstände verglichen und reflektiert. Das Netzwerk von Partnern ist während des Pilot-Projektes allmählich gewachsen, ob auf künstlerischer, organisatorischer oder sozialpädagogischer Seite.
So sind Witness Berlin e.V. und das Centre Francais de Berlin optimistisch dieses Projekt in jährlichen regelmäßigen Abständen wiederholen zu können. Erneut vielen Dank an die Kooperationspartner Gangway e.V., Maison du hiphop und die Einrichtung „Les 4 chemins“, sowie an die Geldgeber des Deutsch-französischen Jugendwerkes und den Berliner Senat. Besonderen Dank an alle Unterstützer und Helfer des Projektes und alle Pariser Künstler und Jugendlichen, die den Austausch zu einer großartigen Erfahrung für jeden einzelnen gemacht haben. Der nächste Schritt ist, der Gruppe von Pariser Jugendlichen den Rückweg nach Berlin zu ermöglichen, damit wir die Gastfreundlichkeit zurückgeben können.
Witness the fitness! Peace, Joe
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"Street Embassy 2011" – Deutsche Welle Doku
Deutsche Welle TV, 2011 | Hip-Hop ist ihr Leben: Jugendliche aus sozialen Brennpunkten Berlins fahren nach Paris, um dort mit französischen Jugendlichen Musik zu machen. Viele der jungen Berliner Rapper waren noch nie im Ausland.






